++ Schlesisches Museum (GR) und Lausitzmuseum (ZG) kooperieren ++

(mk) Die Museen in Görlitz und Zgorzelec bereiten im Rahmen der 3. Sächsischen Landesausstellung eine Präsentation zur jüngsten Geschichte der EuropaStadt vor.

Das Schlesische Museum zu Görlitz und das Lausitz-Museum in Zgorzelec (Muzeum Łużyckie) haben am 28. Mai 2009 eine Vereinbarung über ein gemeinsames deutsch-polnisches Ausstellungsprojekt unter dem Titel „Lebenswege ins Ungewisse“ abgeschlossen. Die geplante Präsentation soll 2011 im Rahmen der 3. Sächsischen Landesausstellung „Via Regia – 800 Jahre Bewegung und Begegnung“ zu sehen sein.

Beide Museen widmen sich in ihrem Ausstellungsprojekt einem Thema, das mit der jüngeren Geschichte und mit der Gegenwart der deutsch-polnischen Grenz- und Doppelstadt Görlitz/Zgorzelec aufs engste verbunden ist. In den persönlichen Biografien und in der Familiengeschichte vieler Menschen spielt es eine wichtige Rolle. Die Ausstellung „Lebenswege ins Ungewisse“ wird den Weggang und den Zuzug der Menschen in den vergangenen 75 Jahren infolge von Diktatur und Verfolgung, Krieg, Flucht, Umsiedlung und Vertreibung, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umwälzungen darstellen. Kaum eine Stadt wurde durch eine so starke Fluktuation ihrer Bevölkerung geprägt wie Görlitz-Zgorzelec.

Seit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurden Juden und Gegner der Nationalsozialisten vertrieben oder ermordet. Zugleich trieb man Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in die Stadt, die am Ende des Krieges einen erheblichen Teil der Bevölkerung ausmachten. Nach dem Krieg wurde Görlitz Durchgangsort, teilweise auch neue Heimat für Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Ostteil der Stadt und aus dem Innern Schlesiens. Es gab Ende der 1940er Jahre keine Stadt in Deutschland mit einem höheren Bevölkerungsanteil an Vertriebenen als Görlitz. Östlich der Neiße entstand die neue Stadt Zgorzelec mit einer völlig neuen Bevölkerung, mit polnischen Militärkolonisten, mit Einwohnern aus dem ehemals polnischen, jetzt der Sowjetunion zugeschlagenen Osten, aus anderen Gebieten des von deutschen Armeen verwüsteten Polen, dann auch aus dem vom Bürgerkrieg zerrissenen Griechenland.

Weniger dramatisch, aber doch intensiv und folgenschwer setzten sich in der Nachkriegsgeschichte die Bevölkerungsbewegungen fort. Das Görlitzer Bürgertum wanderte in der ersten Hälfte der 1950er Jahre fast völlig ab. Wiederum zog die Ausweitung der Braunkohleindustrie auf beiden Seiten der Neiße Tausende Menschen an und wurde zur Grundlage des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens seit dem Ende der 50er Jahre. Nach 1989 schoben die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformationsprozesse, der Niedergang der traditionellen Industrien und die Überwindung der Grenze erneut tief greifende Umschichtungen in der Bevölkerung an.

Das Ausstellungsprojekt will die Menschen aus der gesamten EuropaStadt einbeziehen, die diese Ereignisse miterlebt haben und darüber berichten können. Die Kooperation beider Museen ist die Grundlage dafür, ein grenzüberschreitendes Netz an Kontakten zu Betroffenen aufzubauen, Interviews durchzuführen, Exponate, Fotos und Dokumente zu sammeln. Ein gemeinsamer Internetauftritt soll dies befördern. Die Ausstellung wird von Filmen und Toneinspielungen leben und eine kollektive Biographie der letzten drei Generationen in Görlitz und Zgorzelec darstellen. Ort der Präsentation im Jahr 2011 ist das Schlesische Museum zu Görlitz.

Weitere Informationen:

>> Schlesisches Museum zu Görlitz: www.schlesisches-museum.de

>> Lausitzmuseum Zgorzelec: www.muzeum.zgorzelec.eu

Beitrag: Matthias Krick (mk) – mkrick@goerlitz-zgorzelec.org

Quelle: Schlesisches Museum zu Görlitz

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